· 

DHCM-Highway_4 Tage echte Herausforderung

DHCM Highway - Tag 01 - 65 km - 1458 Höhenmeter

Einfahrt in Khe Sanh - ich hatte mir den Luxus erlaubt von Dong Hoi einen "Local Bus" zu nehmen. Die Strecke bin ich 2017 schon mal gefahren und das musste jetzt nicht wieder sein ;-) - Die Stadt finde ich einfach häßlich mit einer schlechten Stimmung,  "Bad Vibrations" nennt sich das. Kein Wunder, im Vietnamkrieg waren hier schwere Kämpfe. Die Vietnamesen hatte hier ziemlich reingehauen. Das alles brachte überhaupt nichts und lenkte nur von der bevorstehenden TET-Offensive ab. Die Schlacht um Khe Sanh selbst steht aber als Symbol für den vergeblichen Einsatz in Vietnam, denn obwohl das Camp erfolgreich verteidigt werden konnte, wurde es wenig später aufgegeben.

 

Vor meiner Abfahrt machte ich mich noch auf die Suche nach einer Nudelsuppe und Kaffee. In einem kleinen Café traf ich Ihn. Gwinn ist 10 Jahre alt und spricht überraschend gut Englisch. Er war fasziniert von meinem Fahrrad und löcherte mich mit vielen Fragen. Es war eine Freude das zu sehen. Das clevere Bürschchen möchte mal Autorennfahrer werden. Dazu meinte er, erst müsse er den Führerschein machen, das hat aber noch etwas Zeit. Wenn ich so an die Anderen in seinem Alter denke, die nur stump mit dem Smartphone in der Hand dasitzen, jeglichen Schrott auf YouTube reinziehen und allergrößte Freude an Ballerspielen haben. Sehe ich hier "Zukunft". Den einzigen englische Wortschatz den die Anderen drauf haben ist "What is your name" das sie mir aus allen Richtungen entgegenschreien wenn ich unterwegs bin. Ich bin jetzt abgestumpft dem gegenüber. Auch auf das "gebrüllte" Hallo reagiere ich nicht mehr. Teilweise knallt es mir aus irgendeinem Haus an mein Ohr. Wenn ich darauf geantwortet habe, wurde ich ausgelacht und pubertierenden Dumpfbacken machten sich selbst zum Affen wenn Sie sich vor Lachen kringelten. Anders ist das bei kleinen Kindern die schüchtern an der Strasse stehen und mit winkender Hand ein leises Hallo mir zukommen lassen - Ich winke zurück und manchmal schick ich ihnen ein Xin Chao zu = Hallo auf vietnamesisch - dann strahlen sie und manche halten schüchtern die Hand vor den Mund beim Lachen.

ja, es macht Freude wieder unterwegs zu sein. Und mit dem Fahrrad sieht man auch das - liebevoll geschmückte Häuser.

Anhalten und sich von Kindern bestaunen lasse. Der DHCM ist nicht zu unterschätzen. Ob ich es diesmal schaffe ?

2017 bin ich 2 Tage unterwegs gewesen und bin dann bei Tang Ky nach Dong Hoi abgebogen. Die Nacht zuvor verbrachte ich in einem Sammellager von Straßenarbeitern, die mir wohlwollend eine Pritsche angeboten haben.

Am nächsten Morgen gab es dann eine Nudelsuppe für mich. Aber das ist eine andere Geschichte. Danach hieß es DHCM ade, ich hab sozusagen den Löffel geschmissen. Ich habe Respekt vor dem DHCM.

Der Ho-Chi-Minh Highway (DHCM oder QL15), der sich im Westen des Landes an der laotischen Grenze entlang schlängelt ist für Fahrradfahrer eine Herausforderung. Früher die schnellste Verbindung zwischen Norden und Süden, wurde der DCMH durch die Nationalstraße (QL1A oder AH1) ersetzt, die dicht an der Küste verläuft.

Die zu fahren, na ja - mach ich nur in Ausnahmefällen !

So sieht mein "Homeoffice" unterwegs aus - der Blick auf die Karte / GPS und das Höhenprofil, das ich manchmal ausschalte - aus "psychologischen Gründen" - mir reicht es schon die 10% Schilder für die Steigung zu sehen. Freude kommt jedoch auf, wenn ich wie hier auf der Anzeige sehe - Gipfel erreicht es geht bergab.

Ich hatte mich darauf gefreut bei der Familie von 2017 nochmals vorbei zu schauen und um eine Übernachtung zu beten. Damals kam ich ziemlich geschafft dort an. Sie hatten einen kleinen Laden und ich pumpte mich erst mal mit 2 Bier voll. Als sie mir in "Bodylanguage" das Zeichen für Schlafen machten nickte ich 2mal. Innerhalb von 15min. war für mich im "Karaokeraum" ein Nachtlager zubereitet. In dieser Nacht blieben die Boxen aus.

Nichts mehr von dem war mehr vorhanden - oder ich hab's einfach nicht mehr gefunden. Die Suche nach einer Schlafgelegenheit wurde nun eine Herausforderung. Bei km 62 kam ich an einen Platz, der sich "Restaurant" im GPS nennt. Eine Klitsche dir mir die Übernachtung verweigerte. In der Nähe der laotischen Grenze sei für "Foreigners" das Übernachten in "einheimischen Häusern" nicht gestattet. Ich solle irgendwo draussen übernachten. Aber wo ? War ich dort nicht ein grösseres Sicherheitsrisiko als im "kontrollierbaren Haus" ?

Ich hätte wohl meinen versteckten Flammenwerfer zusammenbauen können und die Hütte abfackeln. Hatten sie deswegen so Angst ? Verstehe einer die Welt und vor allem die Logik der Vietnamesen. Nach 5km fand ich neben der Strasse, tiefer im Gebüsch einen Platz, wo ich meine Isomatte und den Schlafsack ausbreiten konnten. Ein Zelt aufzubauen war nirgends möglich und es wurde schnell dunkel.

Jetzt mit der Stirnlampe rumzufuchteln und einen besseren Platz zu suchen war Nonsens. Die Strasse weiter abzugrasen war mir zu riskant, denn sobald ich in die Nähe von Häusern gekommen bin haben die Hunde angeschlagen und 2 kamen mir sogar sehr unangenehm nahe. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Eine Packung Kekse und 2 Dosen Bier waren meine Notration.

Die Nacht war Horror - zum Glück keine Moskitos. Am nächsten Morgen um 06:00 Uhr war ich schon auf der Strasse.

Jetzt eine Nudelsuppe ...... aber wo ?? 

DHCM Highway - Tag 02 - 40 km - 933 Höhenmeter

Zum Glück hatte ich mir in Khe Sanh 2 Banh My als eiserne Reserve eingepackt. Mich noch mit Mandarinen und Bananen eingedeckt. Das fahr ich viel lieber spazieren, wie das ganze Zeug, das ich notgedrungen dabei haben muss/sollte und wie sich am Ende der Reise herausstellt. Nur 1x gebraucht, jedoch in diesem Moment war es da !!!!

Egal, Essen ist leichter zu transportieren. Es füllt den Bauch, macht satt, man gönnt sich eine kleine Pause und hat Zeit über viele Dinge nachzudenken. Und dann wird es nur noch verdaut und gibt Kraft. An diesem Tag war ich nicht so gut drauf, denn die barsche Abweisung für die Übernachtung gestern hat mich ziemlich runtergezogen. Solche Dinge passieren und ich sollte sie mir nicht so zu Herzen nehmen. Es gibt dann auch wieder viiiiieeeel schöne Momente und Erlebnisse, die das ausbügeln ;-) Und wenn es einfach nur die gigantische Landschaft ist die dann die dunklen Gedanken vertreibt und die Tatsache >> ich bin unterwegs und schaffe es bis Phone Nha, doch das ist noch weit.

Der Abend in Tang Ky brachte etwa Erleichterung in das Tagesgeschehen. Hier durfte ich übernachten.

Eine Holzpritsche mit Bastmatte. Ein sicherer Platz für mein Fahrrad und ....... Nudelsuppe + Bier. Bei meiner Frage, ob ich mich auf die Zusage zur Übernachtung verlassen kann, sah ich ein erstauntes Gesicht. Der "junge Hausherr" sprach Englisch und als ich so meine Erfahrungen, bezüglich Übernachtungen in Vietnam erzählte, meinte er: " Ich stehe zu meinem Wort ".Das besiegelten wir darauf mit Handschlag.

Mir war es auf früheren Reisen schon passiert. Ja, ja, ich könne hier übernachten und dann ..... kurz vor dem Dunkelwerden wurde ich "rausgejagt". Damals 1995/96 fand ich nach solch einem Erlebnis in einer Kautschukplantage einen Schlafplatz. Isomatte und Schlafsack reichten - Moskitos keine. Mitten in der Nacht hatte ich so das seltene Gefühl, mich schaut jemand an. Als ich die Augen öffnete und mich aufrichtete, glaubte ich .. das ist nicht wahr. Vor mir saßen 2 Gestalten mit Strickmützen über den Kopf gezogen - durch die ausgeschnittenen Augenöffnungen musterten mich dunkle Augenpaare. Der Mund war ebenso  freigeschnitten und dadurch konnte ich hören: "Do you want have cigarette" ?

Ich traute meinen Ohren nicht und als ich mit Handzeichen zu verstehen gab, bitte Mütze abnehmen, kamen sie der Aufforderung ohne Murren nach. Jetzt konnte ich das breite Grinsen in ihrem Gesicht sehen.

Yes, cigarette please - auf den Schreck hin nahm ich das Angebot als eingefleischter Nichtraucher jedoch gerne an.

Wir pafften zusammen unsere Glimmstängel und als ich die 2 Burschen genauer musterte sah ich neben ihnen jeweils eine M16, das Vietnamgewehr der Amerikaner liegen und 2 Hasen, denen die Gedärme aus dem Bauch hingen. Na ja, Hase gegen ein M16 Geschoss, da siehst alt aus. Ein Wunder, daß von dem armen Kerl noch was für den Topf übrig geblieben ist. Die 2 Jagdgenossen gaben mir zu verstehen, ich solle doch mit in ihr Dorf kommen, dort könne ich schlafen, so zeigten sie mir in "Bodylanguage" / Körpersprache hieß das früher. Ich spendiere jedem noch 4 Glimmstängel aus meinem Duty Free Fundus und deutete, daß ich hier liegen bleibe. Mit einem kräftigen Händedruck verabschiedeten wir uns voneinander.

DHCM Highway - Tag 03 - 54 km - 1008 Höhenmeter

Das Höhenprofil für heute zeigte geringe Steigungen und viele Ebenen. Easy going für heute ?? Das wäre ja total neu für den DHCM ;-) Bei km 30 / Duc Tuan war sogar eine Übernachtung im GPS aufgeführt. Na, so ganz traue ich dem Schein nicht. Als ich dort ankam, die Strecke war nicht unangehm zu radeln, bestätigte sich meine Annahme >> geschlossen.

An der Straße winket ein Schild mit "Restaurant" was immer das auch sein mag. An der Hofeinfahrt schon lautes Hallo und heftiges Gestikulieren >> hier geht's rein. Ich deutete auf den gedeckten Tisch der Hausherren und mit dem obligatorischen "Same Same" - ich möchte das auch essen, nickten sie vielversprechend mit dem Kopf. Es sah lecker aus und hätte in meinem Bauch genügend Platz gefunden. Dann die Ernüchterung - Reis von gestern in der Pfanne kurz durchgeschweißt und leicht angerostet -  irgendwelches Gemüse lau warm und durch die Pfanne gezogene Beefstreifen. Ich schaute ziemlich verdutzt aus der Wäsche, das war nicht "Same Same" - Als ich das zu bemerken gab interessierte es die Leute überhaupt nicht. Friss oder Stirb. Die anfängliche Freundlichkeit wich schnellsten. Na ja, den "Falange" können wir melken, der kommt soundso nicht wieder. Wie ich so den Leuten bei Ihrem Essen zusah stieg echt Wut in mir auf. Nicht nur daß sie sich bei Tisch echt wie Schweine benommen haben, rotzen - Knöchelchen auf den Boden spuckten - die Füße hochgezogen - schmatzend und grunzend. Dann dazu dieses schadenfrohe Grinsen. Ich leerte meine Dose Bier und ließ das Essen stehen - das Fleisch war so von zäh und das Gemüse geschmacklos und sonst noch was. Der Reis war von vorgestern und kalt. Nun geht's um's bezahlen. 65 000 VND - gut, sind zwar nur umgerechnet 2,70€. Mir gefiel diese unverschämte Art einfach nicht und deren scheiss benehmen. Die Dame stand vor mir und stocherte mit ihrem Zahnstocher ungeniert zwischen den Zahnreihen und schrie immer wieder "Money Money". Als ich den Geldbeutel zückte, machte sie die Anstalten mir zwischen die Scheine zu greifen. Jetzt war meine Geduld am Ende. Ich knallte 50 000 VND auf den Tisch / soweit ein Geldschein knallen kann und gab zu verstehen >> Schweinefraß" - s.ä. gab ich es ins Übersetzungsprogramm ein. Drehte mich um, stieg auf's Rad und ab durch die Mitte. Nichts Weiteres passiert. 

Na, der Unterschied, das sind doch Welten. 15:00 jetzt wird es Zeit Ausschau nach einem Schlafplatz zu halten und endlich was essen. Die 2 älteren Herrschaften hatten an der Abzweigung DHCM >> Dong Hoi eine primitivste Bleibe.

Es wurde ein Kügelchen mit Getränken aufgefahren - 2 Packungen mit Instandnudeln - 2 rohe Eier ..... Als ich unschlüssig dreinschaute tauchten sie mit diesem Huhn auf ...... das Hin- und Her führt dann zu totalem Mißverständnist und kostete diesem lieb dreinschauenden Huhn das Leben. Hmmmm......Nudelsuppe mit Ei und etwas Ga/Hühncheneinlage. Super.

Daß aber deswegen gleich das ganze Huhn dran glauben musste, habe ich nicht eingeschätzt. Zu guter Letzt, das Huhn war tot - ein echt feines, schmackhaftes Hühner .... wer weiß sonst noch was mit Reis gezaubert. Ich hatte für 5,50€ ein kpl. Huhn erstanden inkl. 3 Dosen Bier. Den Rest überließ ich den freundlichen Herrschaften - Das war die gute Tat für heute. 

Neben der Hütte des älteren Ehepaars war eine "Border Control" stationiert - ein Straßenposten mit mehreren Polizisten besetzt und Schlagbaum. Die haben es dann immer ganz "wichtig". Meine Frage wegen hier irgendwo schlafen wurde mit einem forschen "No" weggebügelt. Mit Hängen und Würgen gaben sie mir zu verstehen - 25km die Straße weiter Richtung

Dong Hoi - dort >> "...otel". Denkste, ich plag mich doch nicht die Strecke bis hierher und mache dann einen Ausflug in die andere Richtung. Am nächsten Morgen dann das Ganze nochmal zurück. Ich war gut in der Zeit und machte mich weiter auf den DHCM - Tag 4 entgegen. Nach 6km fand ich eine kleine Schneise im Dschungel. Zelt aufgebaut und meine 2 Notflaschen "Bia Saigon" aus der Packtasche gezaubert. Die 2 Flaschen hatte ich mir unterwegs erstritten/erkämpft.

Auf der ganzen Strecke durfte ich vor keinem kleinen Laden halten - die Leute fuchtelten wie wild mit den Händen und gaben zu verstehen ...... Du darfst hier nich rein .... nix zu Essen - nicht einkaufen - verschwinde. Dabei hielten sie Ihre Hände vor den Mund und Nase und gaben unmißverständlich zu verstehen >> Corona Virus. Nach der 5. Abweisung riß mir die Hutschnur. In vollem Karacho raste ich einen Anstieg einer Hofeinfahrt hoch. Die Leute stoben alle auseinander. Ein Griff und 2 Bia Saigon waren meine Beute - ich legte 30 000 VNC auf den Tisch - stopfte das Bier in die Packtaschen und schwups.....war ich der "Falang Geist" verschwunden. Hier ging es um's "Überleben" ;-) Mit Genuss trank ich mein "Feierabendbier" und musste über dieses "Husarenstück" einfach nur grinsen. 

DHCM Highway - Tag 04 - 74 km - 1811 Höhenmeter

Die Nacht im Busch verlief ohne Probleme und um 06:00 war ich schon wieder auf der Straße. Heute Showdown - die letzten Kilometer stehen an, die letzten, dass ich nicht lache .....74km sind es und welche Riesenfreude. Ein Schild mit 10% Gefälle zeigt an, es geht runter. Es ist nicht mehr weit. Denkste, als ich den Streckenabschnitt am GPS aufklappte >> Überraschung - nochmals 34km und das mit vielen Senken und was folgt nach der Senke ?? ...... Richtig - Steigung.

Das wird noch eine Quälerei -  doch die Landschaft entlohnt mich vollkommen. Noch mehr die Freude, es heute zu schaffen, koste was es wolle und wenn ich schieben muss. Endlich eine Kreuzung - geradeaus zur Paradise Cave und rechts >> 8km bis Phong Nha. Das pack ich. Mann, dann dieser Anstieg. Schlechter Strassenbelag - an Fahren ist nicht zu denken. Ich wuchte das schwer beladene Rad 2 km den Berg hoch. Plötzlich neben mir 2Takt Geknatter. "Are you alright - man, you will make it" - Auf geht's ..... und das mit kanadischem Slang. Yes, see you in Phong Nha for a beer. Klara, die Welt ist eine Scheibe und in Phong Nha gibt's ja nur 1 Guesthouse.

Samstag, 08.02. / 18:00 radel ich in Phong Nha ein. Fix und Foxi an diesem Tag. Ich bin sogar ein Tag früher wie gedacht angekommen. Uiii....ob ich jetzt mein Guesthouse dennoch beziehen kann ?

Gerade als ich dort ankomme fängt es an zu regnen. Ein kurzes Telefonat und ein "fahrbarer Regenmantel" auf einem Scooter erscheint. Follow me, we have to go to another place - it's the wrong guesthouse >> we go Phong Nha Coco Homestay - dann schau ich in ein rundes, freundliches Mondgesicht mit strahlenden Augen. Ich denke, da bist Du richtig. Und ??

He you made it really / Deutsch-Canadian Slang. Die 3 Burschen von vorhin sind im gleichen Hostel. Cody - Greg - Shawn - 3 Musketiere. Super. Ein echt guter Abend. Bier floss ......